(12.05.2009)

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Die Europawahl naht mit Riesenschritten, und ich bin immer noch ziemlich unentschlossen. Also mache ich den Fragenkatalog beim Wahl-o-Mat durch, und siehe da, nur 39 Fragen und drei gelesenen Parteiprogramme später weiß ich, welche Partei gut für mich ist. Auch eine, die ich vor Beginn der Fragen gar nicht angehakt hatte, scheint für mich wählbar zu sein: die Frauenpartei. Interessant, denn die kannte ich bisher gar nicht.

Wahrscheinlich sehe ich zu wenig fern, da geht die Werbung einfach ohne mich vonstatten, aber egal, ich habe ja das Internet, meinen Freund und Helfer in allen Lebenslagen. Um mich politisch und gesellschaftlich auf dem Laufenden zu halten, stöbere ich mich während des Tages durch eine Auswahl an Online-Zeitungen und -Magazinen und bin bis zur 17-Uhr-Tagesschau bereits perfekt informiert. Meinen IQ teste ich auf gegoogelten IQ-Rechnern, habe bei drei verschiedenen solcher Dinger phänomenale Werte erreicht und überlege, ob ich dem Mensa-Club beitreten soll. Auch am Spiegel-Pisa-Test nehme ich teil, erringe zu meinem Verdruss im Durchschnitt nur 73 Punkte und ärgere mich naturwissenschaftliche und kulturelle Defizite, aber wen interessiert schon, wo Carla Bruni geboren ist? Viel schlimmer war es, die Hauptstadt von Hessen nicht gewusst zu haben. Oder wieviel Quadratmeter ein Hektar sind. Sei's drum, für das, dass ich über ein halbes Leben lang aus der Schule bin, denke ich, ganz gut abgeschnitten zu haben.

Zeit wird’s, übers Abendessen nachzudenken. Ich google mir ein Rezept, drucke die Zutatenliste aus und bestelle beim Supermarkt vor... nein, soweit sind wir leider noch nicht. Einkaufen gehen muss ich noch selbst.

Weil ich noch tanken gehen muss, suche ich im Web nach der billigsten Tankstelle in der Nähe, regle per Online-Banking noch ein paar Überweisungen, schreibe eine Geburtstagsmail an einen Freund, stöbere bei einem Online-Versand auf seinem Wunschzettel und erledige so gleich noch die leidige Frage mit dem Geburtstagsgeschenk, dann noch eben die Aktienkurse abgefragt, im Radio kommt ein Lied das mir gefällt, auf der Webseite des Senders informiere ich mich über Titel und Interpret des Songs, ich und mein Web, ich und mein Web, man, yo, was wäre ich nur ohne mein geliebtes Web?

Es ist ein gutes Gefühl, im 21. Jahrhundert zu leben!

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