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Induktionsdingsda
Zu meiner Zeit wurden potentielle Diebe noch gestellt, wenn sie einen Laden verlassen haben, aber heute, also 25 Jahre nach 1984 (Gruß an George O.) bimmeln die Alarmglocken schon beim Betreten eines Ladens.
Bepackt mit einem Rucksack und dem Kaufrausch bis dahin nicht anheim gefallen betrat ich heute Vormittag ein Mediengroßgeschäft in der Absicht, einfach nur durchzuschlendern. Es piepte, als ich eintrat, ich bezog es nicht auf mich, ging weiter, da stand plötzlich ein Mann im schwarzen Anzug vor mir und teilte mir freundlich mit, ich habe eben einen Alarm ausgelöst.
Dann geschah das Unglaubliche. Ich musste den kompletten Inhalt meines Rucksacks zeigen. Noch mal: ich bin da REIN gegangen, nicht raus.
Nun ist es so, dass es in meinem Rucksack dem Grunde nach ähnlich zugeht wie in einer gewöhnlichen Damenhandtasche. Er ist tief, unübersichtlich und mit Tausend Dingen gefüllt. Ich holte das dem Navigationsgerät heraus, sauber in seinem Ledertäschchen verpackt, es folgte der Success-Planer, ein Handy, ein USB-Stick, der Geldbeutel, der Schlüsselbund, ein Knäuel aus USB-Stick und Kopfhörern, das zweite Handy, die Sonnenbrille, noch ein USB-Stick (die Augen des Mannes wurden immer größer), die Kamera, ein vierter USB-Stick, mein Diktiergerät und ein aufgerolltes 3-Meter-Telefonkabel.
Stück für Stück wurde an dem Scanner gehalten, nichts schlug an. Ich ging auch noch mal durch, kein Piepen. Da kam der Mann zu dem glorreichen Schluss, dass es wohl das Kabel sein müsste, das den Alarm ausgelöst hat.
Bitte, liebe Elektrotechnikkenner die ihr das lest, schreibt mir eine Mail und erklärt mir, wie so ein shice Kabel so was tun kann!
Als ob das alles nicht peinlich genug gewesen wäre, kamen dann noch zwei weitere freundliche Hausangestellte hinzu. Eine Dame und ein Herr, die nichts besseres zu tun hatten, als sich über mich und den noch immer ausgebreiteten Inhalt meines Rucksacks lustig zu machen. Meint der Herr: "Ich nehme den Geldbeutel, wenn da überhaupt was drin ist", erwidert die Dame: "Und ich den Autoschlüssel, wenn's ein gescheites Auto ist."
Da hatte sich meine gute Laune endgültig ausgelaunt und ich brummte: "Das ist nicht sehr verkaufsfördernd, was Sie hier tun."
Im Nachhinein finde ich, das war viel zu nett. Ein bisschen Eskalation hätte uns allen gutgetan. Ich hätte der Dame meinen Autoschlüssel geben sollen mit der Bitte, den Wagen waschen zu gehen solange ihr Kollege den Inhaber des Ladens holt. Ich hätte um eine angemessene Entschuldigung bitten sollen, möglicherweise in Form eines Gutscheins.
Aber nein, ich blöder braver Bürger habe meine Sachen wieder eingeräumt und bin dann auch noch IN den Laden reingegangen. Ich war zwar in tourette-ähnlicher Stimmung, aber ich war nicht konsequent genug, mich nicht weiter umzusehen. Dass ich schlussendlich nichts gekauft habe, ist dabei irrelevant.
Ich muss mal in mich gehen und ein paar ernste Worte mit mir reden.
Das Corpus Delicti