EM Jungmann

Das AutorenCamp - eine Mitmachkonferenz

 

Es gibt für mich zwei ganz besondere Highlights im Jahr: Die Buchmesse Leipzig und die Buchmesse Frankfurt.

Dank einer Initiative von Leander Wattig und Franz Patzig gab es  dieses Jahr ein Highlight im Highlight: das erste AutorenCamp - abgehalten auf der Buchmesse Leipzig.

Während ich das hier schreibe, finden dort die Sonntags-Sessions statt. Es ärgert mich ein bisschen, nicht dabei sein zu können, also will ich die Zeit nutzen, um euch in diesem kleinen Blogbeitrag zu erklären, was ein AutorenCamp ist und worum es dabei geht.

Auf dieser Seite der Leipziger Buchmesse ist kurz erklärt, worum es sich bei einem BarCamp handelt:

"... eine kostenlose Konferenz [...], die thematisch komplett offen ist. Das Besondere ist, dass die Teilnehmer vor Ort gemeinsam bestimmen, was auf die Agenda kommt." 

Leander und Franz machten es mit dem AutorenCamp möglich, dass wir Autoren eine Plattform für den gegenseitigen Austausch bekommen, die nicht virtuell ist wie die Foren und Facebookgruppen, in denen wir uns so zahlreich tummeln, sondern in der "echten Welt" stattfindet. Somit bietet das AutorenCamp auch denen unter uns die Möglichkeit zur Teilnahme, die zu den Social Media bisher keinen oder nur wenig Bezug haben. Auf dem AutorenCamp kann jeder, der eine sogenannte "Session" abhalten möchte, sein Thema einbringen. Es wird eine Zeittafel angelegt, auf der die Sessionvorschläge angebracht werden, und die Teilnehmer suchen sich die Sessions heraus, die sie interessieren. Dabei kann es sich um Vorträge handeln, Diskussionen oder Workshops - es gibt keine festen Vorgaben.

Die wenigen Stunden, die ich gestern Zeit hatte, das AutorenCamp zu besuchen, waren jede Sekunde wert. Die Autorin Hilke-Gesa Bußmann stellte das Konzept von Triboox vor. Es gab einen interessanten Austausch u.a. darüber, was auf einen "jungen" Autoren zukommt, der sich in den Bereich der Selbstvermarktung begibt. Die nicht ganz neue Erkenntnis, dass ein Autor, der bekannt werden will, sich nicht darauf beschränken darf, im stillen Kämmerchen vor sich hin zu schreiben, wurde noch mal sehr deutlich untermauert. Allerdings gibt es mittlerweile auch einige Dienstleister, die ihm helfen, ein ordentliches, vorzeigbares Buch zu präsentieren. (Gemeint sind hier nicht die völlig überteuerten Zuschussverlage, die Tausende von Euro für diese Dienstleistungen einstreichen!)

In einer anderen Session stellte uns der Autor und Blogger Jannis Pastargias seine Facebook Fan-Page für sein Buch Plattenbaugefühle vor und fragte, warum dort so wenig seitens der Fans reagiert wird und wie wir anderen "das machen". Jannis gibt sich sehr viel Mühe mit seiner Fan-Page, gestaltet sie lebhaft und interessant. Aber ihm fehlt die Resonanz seiner immerhin über 300 Fans. Auch hier kam es wieder zu einer tollen Diskussion darüber, wie wichtig oder unwichtig die Fan-Pages sind, welches Social-Media-Format für wen ideal ist, wie man Marketing via Social Media betreiben kann oder es besser nicht tut usw. Im Ergebnis stellten wir (erwartungsgemäß) fest: Es kommt darauf an ... eine Universalantwort gibt es nicht. Aber auf dem Weg dahin gab es viele tolle Beiträge seitens der Anwesenden. Obwohl ich schon auf einigen Social Media-Veranstaltungen in der Buchbranche war, lerne ich jedes Mal wieder reichlich dazu. So durfte ich zum Beispiel die wunderbare Autorin Petra A. Bauer kennenlernen sowie den Autoren und Unternehmer Karl Olsberg. Beide haben mir mit ihren Wortmeldungen wichtige Einsichten mitgegeben.

Das AutorenCamp ist keine Veranstaltung, die sich auf die Teilnahme von Autoren beschränken will. Auch Verlage und Leser sollten diesem Format Beachtung schenken (so wie Epubli dies z.B. getan und Max Franke ebenfalls eine großartige Session dort gehalten hat). Wenn wir, die Autoren, die Verlage und die Leser es schaffen, eine Plattform zu halten, auf der wir in den Dialog gehen und uns gegenseitig unsere Wünsche und Bedürfnisse mitteilen können, dann kann das nur zu unserem Nutzen sein. Wir könnten einander verstehen lernen und Vorbehalte und Irrmeinungen abbauen. Doch nicht nur das, auch die Vernetzung unter uns Autoren fällt mittels so einer Plattform leichter. Beim gegenseitigen Erfahrungsaustausch können wir nur gewinnen. 

Die Buchwelt befindet sich durch die  Digitalisierung in einem bedeutsamen Umbruch (1 Euro ins Phrasenschwein). Es ist heute kein Problem mehr, ein Buch zu veröffentlichen und an den Start zu bringen, sei es auf Papier oder als Datei. Aber man kann dabei viel falsch machen. 

Die gegenseitige Vernetzung auf den Social Media und Kommunikationsveranstaltungen wie dem AutorenCamp hilft uns, in bestimmte Fallen nicht oder nicht blind zu tappen. Sie hilft uns, von unseren gemachten Erfahrungen gegenseitig zu profitieren und unsere Positionen zu definieren. Darum hoffe ich, dass das nächste AutorenCamp so zahlreich besucht wird, dass wir uns vor Anmeldungen und Session-Vorschlägen nicht mehr retten können, denn es gäbe viel, das wir uns zu sagen haben.

Danke an die Sponsoren Messe Leipzig, den Uschtrin Verlag, Triboox, Books on Demand sowie die Organisatoren Franz Patzig und Leander Wattig.

 

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