EM Jungmann

Lesung auf einer Raumstation

 

Vor vielen Jahren lernte ich in einem heute nicht mehr existenten Forum Zauselina Rieko aka Brennende Buchstaben kennen. Wir blieben über Facebook in Kontakt, und schon damals fragte sie mich, ob ich mir nicht mal ihre Welt in Second Life ansehen wolle. Dort fänden auch Lesungen statt …

Second Life, äh, ja, da war ich mal angemeldet, war aber langweilig, keine Ahnung, ach nee, eher nicht.

Dann brachte ich vor ca. 3 Monaten meinen neuen Roman Jenseits von Ninive als E-Book heraus (inzwischen gibt es ihn auch beim AP-Verlag Hamburg als Taschenbuch) und suchte nach Möglichkeiten, ihn bekannt zu machen. Ich kontaktierte verschiedene Blogs, u.a. Stefan Holzhauers Phantanews. Stefan war sofort bereit, Ninive mit in die News zu nehmen, womit ich ja nun überhaupt nicht gerechnet hatte. Alles, was ich als Dank dafür tun konnte, war, die von ihm herausgegebene Anthologie Steampunk Chroniken in der E-Book-Ausgabe zu bewerben, worüber er sich dann wiederum sehr freute. Manus manum lavat.

Als Nächstes schrieb ich Zauselina über FB an, ob sie vielleicht Lust hätte, Ninive zu rezensieren. Sie sagte, dass ihr dafür im Moment die Zeit fehle, aber sie könne eine Online-Lesung für mich organisieren. Das hörte sich gut an, also war ich dabei.

Kurz darauf meldete sich Kueperpunk Korhonen bei mir. Er kümmerte sich darum, mich halbwegs fit für Second Life zu machen und organisierte eine top Location, nämlich nichts Geringeres als eine Raumstation (entworfen von Barlok.ch) in SL. Hat man so was schon erlebt? Eine Sci-Fi-Lesung auf einer Raumstation? So fühlt sich ein echtes Wow an!

Und siehe da, plötzlich war ich doch wieder bei Second Life. Auf meine alten Tage musste ich feststellen, dass das alles gar nicht so kompliziert ist, wie man vielleicht meinen mag, zumal Kueperpunk Korhonen auch ein hervorragendes Tutorial für Newbies geschrieben hat, das den Einstieg in der zweiten Welt wirklich einfach macht.

Beim näheren drüber Nachdenken wurde mir erst klar, was SL für Möglichkeiten bietet. Man kann in einem schönen Ambiente eine Lesung abhalten, alle seine Freunde – egal wo sie leben – dorthin einladen und braucht weder das Haus dafür zu verlassen noch in eine doofe Webcam zu glotzen. Eigentlich perfekt, oder? Okay, man kann so keine Bücher signieren … Aber beim nächsten Mal kann ich vielleicht dafür sorgen, dass signierte Bücher bestellbar sind.

Was mich außerdem noch total begeistert hat, war, dass 20 Avatare bei der Lesung anwesend waren (solche Zahlen habe ich bei mancher Lesung im richtigen Leben nicht erreicht), zusätzlich noch einige Leute dem Livestream gelauscht haben und (Trommelwirbel) sechs Leute sich extra für die Lesung bei SL registriert haben. Da war ich wirklich platt. Und bin es jetzt noch. Das hätte ich niemals gedacht.

Mein Resümee:

Second Life ist eine ideale Plattform für Buchlesungen. Es ist kostenlos, es gibt engagierte Leute, die dort wundervolle Lokationen errichtet haben und zur Verfügung stellen, und es ist einfach zu bedienen. Man verdient dabei kein Geld für die Lesung, okay, aber es macht Spaß und man hat auch nicht die Kosten, die entstehen, wenn man zu einer Lesung extra anreisen muss. (Psst, ich habe sogar von einer Zuhörerin 300 Linden Dollar gestiftet bekommen, eine virtuelle Währung wie Bitcoins, nur nicht ganz so hoch im Wechselkurs.) Ich werde es also noch öfter tun, und ich hoffe, das Interesse meiner Schriftstellerkolleginnen und –kollegen im Social Web für diese Sache geweckt zu haben. Und natürlich auch das der Leserinnen und Leser, aber dass die sich nicht scheuen, was Neues auszuprobieren, haben die Neuanmeldungen gestern ja schon deutlich bewiesen. Ein dickes Danke darum noch mal an dieser Stelle, auch an Burkhard Tomm-Bub für die tollen Bilder zur Lesung.

Demnächst wird es wieder eine Lesung von mir auf SL geben, dann aus dem Kobalthimmel. Eine diesbezügliche Anfrage hat mich schon erreicht. Vielleicht haben ja auch ein paar Journalisten in meiner Community Lust, sich die Sache mal anzusehen. Ich könnte mir vorstellen, dass so eine Lesung, und was alles dahintersteckt, einen Artikel wert ist. 

 

Bis bald, liebe Leser – hier und in anderen Welten

Eure emju

 

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